FotoFreitag

FotoFreitag - Wildlife Fotografie lebt nicht vom Zufall

12:45Uwe Skrzypczak

Wenn ich irgendwann einmal viel Zeit und Geld übrig habe, fahre ich für ein paar Wochen nach Afrika und schaue mir das, was ich in all den Jahren fotografiert habe, einmal live und in Ruhe an. Diesen; nicht ganz ernst gemeinten Ausspruch hört man von vielen erfolgreichen Wildlife-Fotografen, lediglich der Aufnahmeort ist austauschbar. Persönlich erinnert mich die Wildlife-Fotografie an ein Paradoxon aus dem Religionsunterricht "Arbeiten und Beten ist erlaubt, Beten und Arbeiten ist nicht erlaubt".

Foto Reisen Masai Mara, Kenia mit Uwe Skrzypczak www.serengeti-wildlife.com


Dieses Paradoxon triff im Kern voll auf die Wildlife-Fotografie zu:
Konzentrierte Tierbeobachtung und erfolgreiche Wildlife-Fotografie geht nicht. Erfolgreiche Wildlife-
Fotografie und konzentrierte Tierbeobachtung geht. Konzentrierte, präzise Beobachtung ist für die erfolgreiche Wildlife-Fotografie sogar ein absolutes Muss.

Aber unterscheiden wir erst einmal die beiden Sätze: 
Der konzentrierte Tierbeobachter schaut mit den Augen und durch sein Fernglas, kann dabei die gesamte Verhaltensszenerie direkt im Auge behalten oder auch Ausschnitte durch sein Fernglas betrachten. Hier ist das direkte Erleben vorrangig, nicht das spätere Bild auf dem Monitor oder als Papierabzug. Bei besonders schönen oder interessanten Szenen wird er zur Kamera greifen und auch auf diesem Weg eine Menge schöner Bilder mit nach Hause bringen. Der Tierbeobachter kann zu fast jeder Jahreszeit in Tierparks und Wildschutzgebiete fahren, kann dabei günstige Pauschalarrangements in Anspruch nehmen und wird am Ende durch einen hohen Erlebniswert und auch viele schöne Fotos belohnt.

Beim Wildlife-Fotografen tickt alles anders und viel präziser:
Er plant seine Fotos, studiert die Tierart, die er fotografieren will in ihrem Verhalten und passt seinen
Tagesablauf soweit dies möglich ist, dieser Tierart an. Er beobachtet mit seiner Kamera, muss ständig mit seinen Augen zwischen dem wenige Grad kleinen Blickfeld seiner Teleoptik und dem gesamten Geschehen wechseln. Er muss sich auf den einen, wesentlichen Ausschnitt des Geschehens konzentrieren und dabei die Kamera-Einstellparameter ständig im Griff haben.

Er wird seinem mitreisenden Begleiter sehr schnell klar machen, dass Begriffe wie „guck mal, der
Löwe rechts“ im Blickfeld eines 500 oder 600 mm Objektivs doch sehr relativ sind. Das heißt ab jetzt
„ startender Löwe in 2.30 Uhr“. Wenn dann der Tanz beginnt, muss der Fotograf ständig die Bildgestaltung kontrollieren, während  des Geschehens bei Lichtwechseln Änderungen an den Kameraeinstellungen vornehmen und trotz Hochleistungsautofokus die Schärfe kontrollieren und ggf. nachführen.

Foto Reisen Masai Mara, Kenia mit Uwe Skrzypczak www.serengeti-wildlife.com


Dies alles, bei Tieren die sich mit mehr als 20 Meter pro Sekunde und im schlimmsten Fall direkt auf
ihn zu bewegen. Das ganze wird dann im Kamerasucher bei schnellen Motordrive-Serien durch tausend blinkende Anzeigen, den rasenden Autofokusmessfeldern und das Flimmern des Spiegelschlags zu einer völlig surrealen Wahrnehmung.

Wenn bei einer langen Szenerie dann noch der Schweiß in die Augen rinnt, sieht man oft erst Abends
auf dem Computermonitor, was dort wirklich abgelaufen ist.

Der Wildlife-Fotograf muss sich auf jede Reise extrem gut vorbereiten, sich über das Habitat, die zu
fotografierenden Tiere, ihre Wanderungszyklen im Jahresverlauf und die Aufnahmebedingungen
vor Ort perfekt informieren. Dazu kommen oftmals sehr hohe Reise- oder sogar Expeditionskosten.
Er muss schlicht und einfach alles daransetzen, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Mit
zunehmender Erfahrung erschließt er sich mit dieser Konzentration auf sein Tun die Natur völlig neu
und manchmal viel präziser als ein Fachbiologe.

Wildlife-Fotografie mit den heutigen, technischen Möglichkeiten ist oftmals ein kleiner Blick zurück in die Schöpfung.
Diese Gegenüberstellung habe ich bewußt so krass gehalten, damit Ihr Eure Entscheidung für die
Tierbeobachtung und Fotografie oder für die Wildlife-Fotografie nach Ihren Erlebniserwartungen
treffen können. Diese Entscheidung hat erheblichen Einfluss auf die Auswahl der richtigen Kameraausrüstung und natürlich auch auf Ihre zukünftigen Reise – und vielleicht auch Lebensplanung.

Ein Schwerpunktthema bei meinem Wildlife Fotografie Safaris in der Masai Mara, sind trotz aller abzuhandelnden Fototechnik, immer die Vermittlung der Grundlagen zur erfolgreichen Wildlife-Fotografie sein – die Beschäftigung mit dem Habitat und dem Verhalten der dort lebenden Tiere.

Wildlife Fotografie lebt nicht vom Zufall, auch wenn wir ihn alle gerne fotografisch „mitnehmen“, sondern vom Vorausahnen einer Situation, selbst wenn diese oft erst nach Stunden oder Tagen eintritt. Natürlich kann es auch passieren, dass sie nicht wie erwartet oder auch gar nicht eintritt. Denn es geht immer um die Abläufe im Serengeti-Ökosystem und umd das Verhalten der Wildtiere, die Grundlage für die Fotografie vor Ort. Die Beschäftigung mit den Beutetieren, das aus der Jägersprache entnommene „Folge der Beute, so findest du den Räuber“ wird Euch automatisch zu dem Hauptthema führen, den großen Raubkatzen in der Massai-Mara. Unser Tagesrhythmus ist den der Löwen anzupassen und, da diese Katzen zwei Drittel des Tages schlafen und dösen, bleibt genügend Zeit, um sich mit den Tagjägern wie z. B. Geparde, aber auch mit Elefanten, Huftieren und der restlichen Tierwelt zu beschäftigen. 

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Vater und Sohn … Löwenliebe in der Masai Mara, Kenia 

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Löwennachwuchs im warmen Abendlicht - Momente der letzten Foto Safari 

Serengeti Mara Ökosystem
Das Massai-Mara-Schutzgebiet, der nördliche Teil des Serengeti Ökosystems ist eines der Reservate 
mit der höchsten Raubtierdichte unserer Erde. Sie ist ein Mikrokosmos, in dem fast alle bekannten
afrikanischen Raubtiere und Großsäuger vorkommen. Löwen, Leoparden, Geparde, Nashörner, Elefanten, Büffel, Giraffen, Krokodile, Gazellen und Antilopen.

Dazu kommen die riesigen Gnu- und Zebraherden, die ab Juli aus der Serengeti dort einwandern
und bis Oktober, manchmal bis in den November, dort das frische Gras abweiden. 

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Wanderung der Gnus … die berühmte Migration in der Masai Mara, Kenia 

Lebensquell dieses Schutzgebiets ist der ganzjährig wasserführende Mara River mit seinen großen 
Krokodilen und Flusspferden. Hinzu kommen häufige Regenfälle in den Abendstunden und in der
Nacht, die vom nahe gelegenen Viktoriasee heraufziehen.

Eine wesentliche Grundlage des gesamten Ökosystems sind die im Jahreszyklus das ganze Ökosystem
durchwandernden Hufttierherden, vor allem der Gnus, auf der ständigen Suche nach frischen, aber
auch verschiedenen Grassorten, die sie für ihre Ernährung benötigen.
*Der Jahreszyklus* dieser Herdenwanderungen beginnt nach dem Einsetzen des „Short Rain“ im
Januar/Februar mit den Massengeburten in der Südserengeti. Im Mai, zum Ende der Regenzeit erkämpfen sich die Gnubullen in der südlichen und in der Zentralserengeti ihre Harems zur Paarung.
Anfang Juni, mit fortschreitender Trockenzeit, beginnt mit dem „Moru Clush“ in der südlichen Serengeti die Teilung der Herden in einen zentralen Flügel, der direkt nach Norden wandert und einen
westlichen Flügel, der über den „Western Corridor“ der Serengeti nach Norden in die Massai-Mara
zieht. Dieser Zug der Gnus und Zebras erfolgt in „Single Lines“ also einzeln, hintereinander wie an
einer Perlenkette aufgereiht, zum Teil von Horizont zu Horizont. 
An Wasserstellen, Flußfurten und oft auch wissenschaftlich nicht erklärbaren Stellen kommt es dabei immer wieder zu Ansammlungen großer Herden mit z. T. über 100.000 Tieren. Man schätzt den Gesamtbestand auf über 2 Millionen Tiere, wovon mehr als 1 Million Tiere ständig auf Wanderschaft sind. Dabei grasen sie das Ökosystem nicht nur ab, sondern revitalisieren es auch durch Millionen Tonnen von Dung, der zudem noch von Pillendreher-Käfern über weite Flächen verteilt wird.

Lichtbedingungen für uns Fotografen in Ostafrika: 
Die Lichtbedingungen in Ostafrika sind zum Teil sehr kritisch und infolge durchziehender Wolken 
oft sehr wechselhaft. Das Licht wird vor allem von Telefotografen tagsüber oft überschatzt. Lange
Teleobjektive sind bei den vorherrschenden Kontrastbedingungen Lichtfresser. Um die Schattenzeichnung zu erhalten, benötigen wir oft 2 Blenden/Belichtungsstufen mehr als mit einem Weitwinkel oder Normalobjektiv. Die besten Lichtbedingungen bei unbedecktem Himmel sind Morgens kurz nach Sonnenaufgang bis etwa 09.30 Uhr, danach erst wieder am Abend, wenn ab 16.30 Uhr das berühmte „Golden Light„ einsetzt. Tagsüber steht die Sonne durch die Äquatornähe so steil, das die Tiere praktisch entweder schattenlos und deshalb nicht besonders plastisch wirken oder Teile von Ihnen durch besonders hässliche Schlagschatten verdeckt werden.
LESEEMPFEHLUNG dazu mein letzter Artikel "Praxiserfahrung in Ostafrika - Die Nikon D810 und das neue AF-S Nikkor 400mm.

Diese Zeit solltet Ihr für eine Picknick-Siesta nutzen oder um jagende Geparden aufzuspüren. Bei jagenden Geparden liegt der Schwierigkeitsgrad weniger in den Lichtbedingungen, sondern darin, es überhaupt zu schaffen, diese „Formel 1 Katze“ entweder scharf oder als brauchbaren Wischer auf das Bild zu bekommen. 

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Jagender Gepard, Masai Mara Kenia

Auch Tiere im Wasser, wie Hippos und Krokodile, haben bei unbedecktem Himmel durch die extremen Helligkeitsunterschiede zwischen aufspritzendem Wasser und dunkler Tierfarbe zur Uferböschung besondere Schwierigkeitsgrade, um z. B. den optimalen Belichtungskompromiss zu finden. 

Wildtiere haben ihrer Umwelt angepasste Tarnfarben und Fellfleckungen, selbst die gestreiften Zebras lösen sich in der Masse einer Herde für Eure Kameraelektronik und vor allem für den Kameraautofokus zu einem Streifensalat auf, deshalb immer auf die richtige Einstellung des Kameraautofokus achten. Objektivwechsel sollten während der Fahrt und in Staubwolken absolut vermieden werden, dies kann zu Erblindungserscheinungen bei Eurem Kamerasensor führen. 

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Momente meiner Wildlife Safari im März

Wildlife Fotografie lebt von der Aktion:
Wildlife-Fotografie lebt von der Aktion, deshalb kann jederzeit der geplante Tagesablauf durch eine wie auch immer interessante, für Euch erreichbar gesichtete Aktion komplett über den Haufen geworfen werden. 

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Im Fluss wurden die Gnukälber, sowohl im Wasser als auch am Ufer, von den Hippos gejagt und auch gefressen – dies ist noch nie zuvor beobachtet oder fotografiert worden. Bislang wusste man nur, dass Hippos gelegentlich auch Aas fressen.

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Das allgemeine Wissen, das Ihr in meinen Workshop erlernt, wird für Euch bei den meisten fotografischen Gegebenheiten und Orten eine Bereicherung eurer Kenntnisse zur Erlangung besserer
Fotos sein. Je mehr Ihr Euch aber von dem Spezialwissen, das Ihr in Bezug auf die besonderen
Aufnahmebedingungen in Ostafrika vermittelt wird, selbst aktiv erarbeiten, desto leichter wird es
Euch zukünftig fallen, diese Kenntnisse auf völlig andere Aufnahmeorte und Lichtbedingungen zu
adaptieren.

Fotoreise - Fotosafari gemeinsam mit Uwe Skrzypczak www.serengeti-wildlife.com
Hier alle Highlights meines Photo-Workshops im März 2015 

Hier findest Du alle Workshop Programm + Preisliste für 2015 / 2016 als PDF Download.
Kommt mit in die Masai Mara, nach Amboseli, in die Serengeti oder nach Botswana.

Alle Touren werden in Spezialfahrzeugen für Fotografen mit nur 2 Personen/Fotografen pro Auto durchgeführt! Die preisgünstigeren Standardsafaris mit sogenannter "Fensterplatzgarantie" und 4 oder mehr Personen/Fotografen pro Geländefahrzeug führe ich z. Z. nur noch auf Anfrage für Kleingruppen durch, weil sie sich für ambitionierte Fotografen mit komplexen Fotoausrüstungen nicht bewährt haben.

Viele halten die Fotografie für eine Kunst, aber das Wort Kunst beinhaltet den Begriff „können“. Je besser Sie die handwerkliche Komponente der Fotografie beherrschen, desto leichter wird es Ihnen fallen, Fotos mit gestalterisch oder sogar künstlerisch hohem Anspruch zu schaffen. ---Und manchmal sind es dann Fotos, die die Welt so noch nicht gesehen ---.

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6 Kommentare

  1. Herrliche Aufnahmen und die besten Tipps, danke. Habe bereits das Wildlife Fotografie Buch von Uwe gelesen und all seine Artikel auf der Website. Spare schon kräftig um irgendwann mit Ihm das Afrika so erleben zu können.
    Danke und ein schönes Wochenende wünscht Heiko

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    1. Lieben Dank Heiko, ich gebe das gerne an Uwe weiter. Wenn Du Planungen dann zu Afrika benötigst melde Dich gerne wieder.
      Grüsse Daniela

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  2. Genauso ist es. Immer wenn ich von den Safaris wiederkomme, bin ich enttäuscht das von alem was ich gesehen habe, nur wenige schöne Fotos übrig sind. Ich gebe einem meiner Fahrer immer eine Kamera mit und ab und zu sind ganz passable Bilder dabei, die anderen haben alle keinen Blick dafür. Wenn ich selber fahre nehme ich mir jetzt schon einen Fahrer mit, damit ich mich nur um die Kameras kümmern kann.

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    1. Danke Herr Blahm für Ihren Kommentar, dass mit den Kamera und dem Fahrer ist eine sehr gute Idee, zumal man dabei gleichzeitig auch bei den Fahrern wieder mehr das Interesse weckt … hach Afrika.

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  3. Ab sofort kann ich hoffentlich :-) nicht nur lesen sondern auch kommentieren....

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    1. Na aber wunderbar liebe Gerda, ich freue mich das Du nun hier mitliest und auch Deine netten Kommentare zu lesen.
      Danke sagt Daniela

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Danke für Ihren Kommentar.

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