Aus dem Alltag Langeoog

Samraa, Momo und Anas

19:24Daniela Skrzypczak

Wenn ich in meiner Kindheit in den Sommerferien im Ferienlager war, wurde an den Tischen und beim Spielen deutsch, englisch, tschechisch, polnisch, russisch oder auch kubanisch gesprochen. Es war für mich ganz normal, als Kind so bunt aufzuwachsen. Aufgewachsen in so einer bunten Welt, bin ich sehr glücklich darüber, dies im Leben als erwachsene Frau fortsetzen zu können.

Es spielt keine Rolle woher Menschen kommen, welchen Glauben Menschen leben und egal welches Aussehen Menschen haben. Sie sollten mit einem Lächeln durch diese bunte Welt gehen können.

Aber leider musste ich nun wieder miterleben, dass einige Menschen dieses Bunte nicht möchten. Aus Angst, Unwissenheit, Vorurteilen oder wegen überholten alten Denken ... egal welche Gründe dafür angebracht werden, wir dürfen dies nicht tolerieren und hinnehmen, denn seit einigen Jahren fallen die Hemmungen gegenüber dem rechten Gedankengut immer mehr. 
Am Strand von Langeoog treffe ich Samraa und ihre Kinder zu einem spontanen Fotoshooting, ein Shooting mit besonderen Menschen und besondere Momente hier am Meer. Es macht so viel Freude, diese kleine Familie zu fotografieren, diese nahen Momente, das Lachen von Momo und Anas. Oder auch die ruhigen Momente von Samraa. Ich spüre dabei, wie nah wir uns sind und dass dieses Kennenlernen hier auf Langeoog etwas ganz Besonderes ist.

Familienshooting Langeoog ... Flüchtlinge
Samraa, Momo und Anas
Familienshooting Langeoog ... Flüchtlinge
Familienlächeln am Strand
Sie stehen vor mir, auf diesem „Sandkasten Langeoog“, als ob es ein Band zwischen uns gäbe, das uns zusammengeführt hat.
Samraa, Momo, Anas und mich. Samraa ist Muslima, sie lächelt mich mit Ihren wunderbaren dunklen tiefen Augen an. Ihr blaues Kopftuch passt zu Ihrem Lächeln. Eine junge Frau voller Schönheit und Anmut. Sie ist 36 Jahre alt, Mama von zwei wunderbaren Söhnen, neun und sieben Jahre alt. Ihre Eltern stammen aus Marokko, sie ist in Deutschland geboren, lebt mit Ihrer Familie in Bonn und arbeitet dort als Chemielaborantin. Nebenbei liebt sie ihr Hobby, in Ihrer Küche in Bonn wunderbare Torten zu zaubern.

Familienshooting Langeoog ... Flüchtlinge
Ein Lächeln am Meer
Samraa erzählt mir von Anfeindungen über Ihr Aussehen, ihre angebliche nicht deutsche Herkunft, und darüber, dass Sie ein Kopftuch trägt. Doch das Problem betrifft nicht nur sie allein. Momo, ihr Sohn (eigentlich Mohamed), erzählt mir, dass er in der Schule wegen seiner dunkleren Hautfarbe und seines Namens angefeindet wird und sich verletzt fühlt. Diskriminierung bei Kindern, hier in unserem Land, mittlerweile wohl auch ganz normal. Traurig und schlimm! 

Familienshooting Langeoog ... Flüchtlinge
Bruderliebe am Strand von Langeoog  
Familienshooting Langeoog ... Flüchtlinge
Anas der stundenlang am Meer stehen kann 
Familienshooting Langeoog ... Flüchtlinge
Glücklich am Strand und Meer zu sein ... was gibt es Schöneres als ein Kinderlachen 

Familienshooting Langeoog ... Flüchtlinge
Momo der Ruhige, der kleine Denker
Und Momo ist nicht der Starke, sondern der Verletzliche, der Ruhige, der Angst hat. Angst in die Schule zu gehen, Angst vor dem Nachhauseweg, nur weil er nicht blond und mit blauen Augen durchs Leben geht. Momo und Anas, der jüngere der beiden Brüder, in der zweiten Klasse sollten nicht nach Ihrem Platz in der Welt suchen müssen, denn Sie sind hier in Deutschland geboren und zu hause.
Familienshooting Langeoog ... Flüchtlinge
Einfach nur Bruderliebe 
Samraa schaut mich ein wenig traurig an und erzählt mir, dass Sie schon gebeten wurde Ihr Kopftuch abzu-nehmen und Sie dann in diesen Momenten denkt „Warum sollte ich dies tun, es gehört zu meinem Glauben und zu meiner Lebenseinstellung, das muss ich nicht verstecken“, auch wenn Sie merkt, dass es immer mehr Mut und viel Kraft kostet. Kraft kostet sich zu erklären. Weshalb muss man das Tragen eines Kopftuches eigentlich erklären?

Familienshooting Langeoog ... Flüchtlinge
Meer macht glücklich 
Ich lerne Samraa im Juli kennen, als ich eine Frau sah, die mit Tränen und wilden Gestikulieren an einer Bank schräg gegenüber dem Bahnhof hier auf Langeoog steht (auf Sie wartete eine 3wöchige Mutter – Kind Kur). Weinend sitzen ihre beiden Söhne auf der Bank. Gegenüber auf den Fußweg laufen viele Menschen vorbei, kurzer Blick zu Ihr und sie laufen einfach weiter. Niemand geht zu Ihr und fragt ob er helfen kann ... ich halte mit meinem Fahrrad und frage was mit ihr los ist. Sie erzählt mir, dass ein älterer Herr, zirka 20 Meter von uns nun entfernt, Sie böse beschimpft hat. Ich frage was er gesagt hat und mit Tränen erzählt Sie: Fahre mit Deinen Söhnen nach hause Du gehörst hier nicht her ... und dies in einer sehr lauten Ansprache. Es müssen auch die anderen Passanten auf der anderen Straßenseite gehört und mitbekommen haben, es scheint nur niemanden interessiert zu haben…bloß schnell weg schauen, wenn es jetzt wieder anfängt, wie in Deutschland in den Dreißiegerejahren des letzten Jahrhunderts.

Sie und die Jungs weinen, ich laufe dem älteren Herrn hinterher, stelle ihn zur Rede und mache ihm klar, "dass er hier auf diesem bunten Sandhaufen verkehrt ist, dass unsere Insel Langeoog bunt ist und hier kein Rassismus geduldet wird und frage ihn, ob er seinen Verstand am Festland vergessen hat und dass er sich schämen soll“.

Ich gehe zurück zu Samraa und Ihren beiden Söhnen und nehme Sie alle Drei in den Arm und vermittle Ihnen „das ich mich sehr freue, dass Sie auf der Insel sind“ und das wir uns wieder treffen und kennen lernen müssen. Momo drückt mich noch einmal und fragt mich „Es gibt nicht so viele böse Menschen hier auf der Insel wie den alten Mann, oder?“  

Es war schon schlimm für mich, diesen Rassismus auf Langeoog zu erleben, aber viel schlimmer finde ich, die Tränen der Kinder zu sehen und zu wissen, dass wieder so viele Menschen einfach nur zugeschaut haben und nicht eingeschritten sind.

Für Rassismus gibt es keine Toleranz egal wo auf der Welt. Rassismus darf nicht wieder normal werden. Wir müssen Rassismus überstimmen und uns dagegen stellen. Es ist wichtig, dass wir uns alle engagieren und dem Hass und den Vorurteilen entgegentreten.


Familienshooting auf Langeoog

Mit Samraa und Ihre Familie verbindet mich nun viel, dieses Gefühl wunderbare Menschen kennen zu lernen und sich darauf zu freuen, sie wiederzusehen. Es gibt nichts Schöneres für mich als liebe Menschen kennenzulernen, sie mit meiner Arbeit glücklich zu machen und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Samraa danke für das Fotoshooting. Momo und Anas danke für Euer Kinderlächeln. Danke, dass wir aus diesem traurigen Kennenlernen ein so wunderbares Geschenk zaubern konnten. 

Familienshooting Langeoog ... Flüchtlinge
Glücklich über diese Momente 
Familienshooting Langeoog ... Flüchtlinge
Mit der Sonne um die Sonne lächeln ... Samraa
Etwas Buntes, etwas Fotografie, etwas Lebendiges, etwas Menschliches, hier auf diesem bunten Sandhaufen Langeoog.  Es ist, als wenn jemand es wollte, aus diesem traurigen Ereignis so viel Wunderbares zu machen. Danke an das Leben!


---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Fotos mit viel Nikonliebe und Nikon D810 + D7200, AF-S Nikkor 20mm 1:1,8 G ED, AF-P DX NIKKOR 10–20 mm 1:4,5–5,6 G VR und Nikkor 24-70mm 1:2,8G ED.

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14 Kommentare

  1. Sehr schön geschrieben! Ich habe das Gefühl, mit Euch am Strand zu sitzen! Es ist soviel Wärme und Menschlichkeit zu spüren. Dankeschön!

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    1. Meine liebe Edda ja Du hättest wunderbar zu unserer bunten Truppe gepasst ... deine Wärme, Menschlichkeit und deine Lachen. Dicker Drück von der Insel sendet Dir Dani :-)

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  2. Habe Tränen im Gesicht von den Fotos und dem Text ... danke Daniela. Die Fotos strahlen soviel Nähe aus.
    Es ist mir unerklärlich warum Menschen wegschauen und nicht einschreiten, danke das Du es gemacht hast.
    Herzliche warme Grüsse aus München, Valerie.

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    1. Danke liebe Valerie für Deinen Kommentar und es ist schön das Du hier dabei bist.
      Liebe Grüsse vom Meer sendet Dir Daniela

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  3. Danke Daniela für dieses aussergewöhnliches Shooting und mit Fassungslisigkeit habe ich das Verhalten des älteren Herren und drr Passanten gelesen. Man was machr der Opa aud dieser friedlichen Insel? Danke das Du nicht weggeschaut hast ... die Fotos sind so einfühlsam geworden. Danke und herzliche Grüsse aus NRW, Andreas

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    1. Hallo Andreas ich denke der ältere Herr hat genau so Urlaub gemacht wie die vielen anderen Gäste. Nur mit dem Unterschied das wir solche Menschen hier definitiv nicht dulden werden, wenn Ihnen das "Bunte" nicht genau so wichtig ist. Dank und liebe Grüsse nach NRW, Daniela.

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  4. Liebe Dani das Du eine Gabe hast Menschen mit der Kamera im Hier und Jetzt mit zunehmen das habe ich gewusst. Das Du es aber einmal schaffst, mich so zum heulen zu bringen ... nein.
    Danke, für die Fotos, danke für Dein Einschreiten und danke das Du uns daran teilhaben lässt.
    Eine dicke Umarmung aus München sendet Ute

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    1. Meine liebe Ute eine dicke Umarmung nach München zurück und ja vielleicht hat mir wirklich die Natur die Gabe etwas mitgegeben ... dafür bin ich wirklich dankbar. Aber es dann so zu nutzen wie für Samraa, Ansas und Momo ist dann wirklich eine Geschenk. Dani :-)

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  5. Eine wunderbare, herzerwärmende Geschichte. Danke für deine Reaktion und das Teilen dieser persönlichen #wirsindmehr Geschichte!
    Ich hoffe die 3 hatten einen tollen Aufenthalt auf diesem bunten Sandhaufen. ☺ Mich hätte noch die Gegenreaktion des älteren Herrn interessiert.

    Die Fotos aus dem Shooting sind Klasse, wie auch sonst deine Bilder. Bin erst seit gestern auf der #inselfürsleben und hab den Fotowalk knapp verpasst.😉 Schade.

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  6. Liebe Sandra, vielen liebe Dank für das dicke Lob. Der ältere Herr hat kein Wort mehr herausgebracht und war sehr verduzt - was er auch sein sollte. Er hat defintiv nicht damit gerechnet das sich eine Frau vor Ihn "positioniert", was auch in diesem Moment die richtigste Reaktion für sein Verhalten war. Ich hoffe das ich mit meinen Fotos + Geschichte einige wachrüttel damit Sie beim nächsten Mal nicht mehr wegsehen. Daniela :-).

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  7. Ich komme jetzt seit über 20 Jahren auf die Insel Langeoog, aber das sich dieses braune Denken nun auch dort ausbreitet ... pfui teufel. Liebe Daniela danke das Sie eingeschritten sind, danke das Sie nicht weggeschaut haben wie die anderen und ein dickes Danke für Ihre immer wieder einmaligen Inselfotos. Irgendwann komme ich zu Ihnen und buche ein Shooting.
    Herzliche Spätsommergrüsse sendet Ihnen Walter

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    1. Lieber Walter,
      danke das Sie meinen Artikel gesehen und gelesen haben und ja melden Sie sich gerne zum Shooting und es ist schön das auch Langeoog Urlauber bei mir mit lesen.
      Danke mit sonnigen Meergrüssen Daniela

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  8. Vielen Dank für das Einmischen und Respekt vor dem Mut, den älteren Mann mit seiner unmöglichen Aussage zu konfrontieren. Wahrscheinlich ändert das nichts an seiner Einstellung, aber so hat er wenigstens erlebt, dass es Menschen gibt, die nicht so denken wie er, das ist wichtig! Traurig, dass vor Ihnen niemand gegen den unsäglichen Kommentar eingeschritten ist.
    Wir fahren mit unserer Familie seit vielen Jahren gerne nach Langeoog, haben dort auch Veränderungen im Laufe der Jahre bemerkt; umso wichtiger ist es, nicht wegzuschauen, sondern Position zu beziehen. Den dreien wünsche ich einen tollen Aufenthalt auf der Insel fürs Leben, hoffentlich sind sie durch diese Begegnung mit Ihnen gestärkt. Und ich wünsche mir, dass ganz viele Langeoog-Urlauber Ihren Blog lesen und die Meinung teilen, dass ALLE Menschen dort willkommen sind.
    Nochmals vielen Dank und Grüße aus dem Ruhrgebiet
    Gerhard Marx im Namen der ganzen Familie

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    1. Lieber Herr Marx,
      vielen lieben Dank das hier auf meinem Blog mit gelesen und mit geschaut haben ... ja Langeoog ist unser und aller Gäste bunter Sandhaufen und wird es bleiben. Für unsere bunte Welt müssen wir alles etwas tun, egal wo wir wohnen, leben und lachen. Wegschauen macht die Welt weniger bunt und genau dies darf nicht geschehen. Ich kann Ihnen sagen das Samraa mit Ihren beiden Jungs noch einen wunderschönen Aufenthalt auf Langeoog hatte und wir beide sehr glücklich sind, dass wir uns (auch aus so einen negativen Anlass) kennenlernen durften.
      Herzliche Inselgrüsse sendet Ihnen Daniela

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