Ein bisschen Glück schenken ... Obdachlose haben keine Lobby, wir können aber etwas tun!


So wie die letzten fünf Jahre nehme ich mir im Dezember (wo überall die Lichter brennen, der Geschenkestress beginnt) immer Zeit um auf Obdachlose zu zugehen. Ihnen ein paar  Momente etwas kleines Glück schenken, Ihnen Aufmerksamkeit zu geben und vor allen das Gefühl das sich doch noch Menschen für sie interessieren.
Ich gehe spontan auf sie zu und frage einfach "ob sie mit mir etwas essen gehen möchten". Die Reaktionen sind meistens grosse Augen und dann die Frage "Meinen sie das im Ernst, sie wollen mich zum Essen einladen?".

Gestern Abend hatte ich endlich die Ruhe und Zeit und ging in Detmold, nennen wir Ihn Mister X. zu. Mister X. kommt eigentlich aus München und lebt seit 5 Jahren auf der Strasse. Trennung, Scheidung, Krankheit, Freundes Kreis weg, Haus durch finanzielle Sorgen verloren, dass schlimmste für Ihn, dass er keinen Kontakt mehr zu seinen Kindern hat. Dann kam auch noch Alkohol mit dazu und der Absturz begann. Keine Wohnung, kein Job, keiner der Ihm die Kraft gibt von neuen an zu fangen.
Nun zieht seit 5 Jahren von Stadt zu Stadt, von Obdachlosenheim zu Obdachlosenheim. Wenn er da immer einen Platz findet, den die Plätze werden immer geringer, weil die Zahlen der Obdachlosen steigt.

Die Zahl der Obdachlosen in Deutschland ist der aktuellen Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe zufolge 2012 auf 284.000 angestiegen. Das entspreche einem Zuwachs von 15 Prozent gegenüber 2010. Wesentlicher Grund sind steigende Mieten. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe geht von einem weiteren Anstieg der Wohnungslosen in den nächsten Jahren aus. 2016 könnten demnach 380.000 Menschen in Deutschland wohnungslos sein.

Allein 2012 gab es nach Angaben des Verbands 65.000 Wohnungsverluste, in 25.000 Fällen davon wurde zwangsgeräumt. Neben den 284.000 bereits obdachlos gewordenen Menschen, waren im vergangenen Jahr 130.000 Menschen vom Wohnungsverlust bedroht.
75 Prozent der Wohnungslosen sind der Verbands-Statistik zufolge Männer. 64 Prozent sind alleinstehend, der Rest lebt mit Partner oder sogar mit Kindern ohne festen Wohnsitz. Die Bundes-arbeitsgemeinschaft schätzt, dass inzwischen 32.000 Kinder und Jugendliche wohnungslos sind.
Das wahre Ausmaß dürfte noch größer sein. Alle Zahlen seien Schätzungen, da es keine bundes-einheitliche Statistik gibt. Zahlen die mehr wie traurig stimmen in unserem reichen Deutschland!!!

Obdachlose in Deutschland






Aber nun zurück zu Mister X. und meinem Essen-Zuhör-Dasein Stunden. Anlauf ins erste Cafe, die Bedienung kam auf uns zu "Wollen Sie alle Beide hier essen" ich "Ja" darauf Sie "Über sie freuen wir uns, aber er kann sich hier nicht setzen". Das Cafe voll und ich werde lauter (was bei mir sehr selten vor kommt) ... alle Menschen schauen und Mister X. meint "komm Dani lass uns gehen, ist schon in Ordnung". Nein nix war in Ordnung, ich auf einen Tisch zu und zu Mister X "hinsetzen und freuen". Darauf kam  die Bedienung und schaute nur komisch so wie die anderen Gäste, aber den Mut um uns vom Tisch zu verweisen hatte sie dann auch nicht mehr. Die ganze Situation entschärfte sich dann aber, nachdem wir die Bestellung aufgegeben hatte.

Intoleranz hoch Drei - wer anders ist wird abgelehnt - wie Du siehst anders aus - dann passt Du nicht. 

Drei Stunden für Mister X etwas Glück, ein gepflegtes Essen, Kerzen, heisser Kakao und das wichtigste ein Mensch der sich für Ihn als Mensch interessierte, Ihm zuhörte und mit Ihm lachte.
Der von seinen Leben auf der Strasse erzählte, wie er früher Häuser gebaut hat, sich auf seine Kinder gefreut hat und dann durch viele kleine Dinge auf der Strasse landete. Wie viele, die mit Ihm auf der Strasse leben, aus dem Strudel alleine nicht mehr heraus kommen, weil Ihnen die Kraft fehlt, der Alkohol die letzte Hoffnung noch nimmt.

Ohne Wohnung keine Anspruch auf Unterstützung - keine Arbeit ohne Wohnung  .... Seine Augen strahlten immer mehr (ein gestandenen Mann mit 50 Jahren) der es als Glück empfand und für mich eine Geste einen Menschen ein klein klein wenig Glück, Aufmerksamkeit zu schenken. Einen Menschen die in der Gesellschaft keine Lobby haben und von unserer Politik, Mitmenschen immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

Bei der Verabschiedung sagte und er zu mir "Dani ich werde diese Stunden nie vergessen und sie haben mir wieder etwas Hoffnung gegeben" standen Ihm und mir Tränen im Gesicht" und ich hoffe, dass er nun wieder die Hoffnung und die Kraft hat, sein Leben in die Hand zu nehmen. Um seinen einzigen Wunsch, seine Kinder wieder zusehen schaffen wird.

Es kostet uns nichts, ausser ein klein wenig Zeit, den Mut auf andere Menschen spontan zu zugehen, sie anzusprechen. Auch wenn Sie vielleicht etwas ungepflegt aussehen oder nicht in das Bild der Gesellschaft passen ... sprecht sie an, ob Obdachlosen, Kinder, ältere Menschen.
Nein Geschenke - oder Weihnachtskonsum Stress gibt es bei mir schon lange nicht mehr, es sind die Gesten, dass was man als Mensch bewirken kann, das was bleibt im Herzen und in Gedanken. Einfach nur ein klein wenig Glück, Hoffnung an Menschen weiter zugeben, damit sie sich wieder als Menschen fühlen können. 

Also geht raus in die Welt ... gemeinsam können wir die Welt ein klein wenig besser machen, jeder mit dem was er hat zu geben, egal was es ist. WIR MÜSSEN ES NUR TUN!

Ich wünsche Allen frohe Weihnachtstage, Zeit zur Entspannung und Besinnung und dazu viele Lichtblicke im kommenden Jahr 2014. Meinen Kunden sagen ich Danke, für das Vertrauen und die Zusammenarbeit und ich freue mich auf viele neue Projekte und natürlich auf viele, viele neue Fotomomente im Jahr 2014.

Kommentare:

  1. Liebe Daniela, was für eine tolle Idee. Bisher habe ich mich nie getraut Obdachlose hier in Berlin anzusprechen. Du bringst es richtig auf den Punkt man schmeisst lieber etwas in den Hut oder Schachtel und geht weiter. Aber ich glaube, nach dem lesen Deines Artikels fasse ich mir nun auch den Mut und spreche die Menschen an.
    Danke und eine tolle Weihnachtszeit sendet Dir
    Heike

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    1. Lieben Dank Heike ... ich würde mich freuen wenn Du Dich nun traust.
      Eine schönes Weihnachtszeit wünscht Dir Daniela

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  2. Mehr mehr wie klasse ... wir sollten als Menschen wieder erlernen was Menschlichkeit ist.
    Daniela meine Hochachtung.
    Ein besinnliches Weihnachtsfest wünscht Dir
    Silke

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    1. Lieben Dank Silke, Du bringst es auf dem Punkt mit der Menschlichkeit.
      Eine schönes Weihnachtszeit wünscht Dir Daniela

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  3. Ich kann dies nur bestätigen ... durch meine Arbeit als Sozialarbeiter kenne ich diese Situationen, die meisten Menschen haben einen verschmähten Blick, dann eine paar Cent. Aber genau solche Aktionen bedarf die Welt. Ich hoffe das viele diesen Post von Dir lesen Daniela.
    Meine Hochachtung und ein wunderschönes Fest.
    Herzliche Grüsse sendet Dir Manfred

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    1. Lieber Manfred Danke und nein dies bedarf keiner Hochachtung. Aber genau solche Aktionen und solcher Menschen wir Du in Deinem Job bedarf die Welt.
      Ein wunderschönes Fest wünscht Dir Daniela

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  4. Das ist eine wirklich wunderschöne Idee.
    Vielen Dank für das, was du getan hast.
    Ich hoffe doch sehr, dass wir uns alle wieder zu einer
    gesellschaft entwickeln können,
    in der Menschlichkeit und Nächstenliebe anerkannte
    Werte sein können und werden.

    Ganz liebe Grüße!

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    1. Liebe Carolin ganz lieben Dank für Deinen Kommentar, ich hoffe das ich darüber schreibe doch einige Menschen damit anstecke. Menschlichkeit und Nächstenliebe kann die Welt einfach ein bisschen besser machen ... aber wir müssen es tun.
      Alles Liebe für 2014 wünscht Dir
      Daniela

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Danke für Ihren Kommentar.