SERENGETI TAGEBUCH TEIL 9, Naturwunder der Erde

Serengeti Tagebuch von Uwe Skrzypczak

Tag 17 - 18 in der Serengeti
Am Vormittag konnte ich mich der Tierart widmen, die sich in den letzten zehn Jahren zu meinen besonderen Lieblingen entwickelt hat – den »Fisi‘s«, Hyänen. Obwohl sie Hetzjäger sind und auch sonst im Sozialverhalten an Hunde erinnern (Ausnahme, die Rudel werden vom stärksten Weibchen geführt, das oft doppelt so groß ist als das rangniedrigste Männchen) zählen Biologen sie zu den katzenartigen Tieren.
Im frühen Morgenlicht kurz nach Sonnenaufgang kann man Mengen dieser Tiere wegen ihres goldbraunen Fell zum Teil meilenweit auf den Serengeti Plains sehen. Der größte Vorteil hier in der Ngorongoro Conservation Area ist allerdings, dass man sie durch das erlaubte Offroadfahren auch verfolgen kann. Allerdings stieß es weder auf Beifall bei meinem Fahrer als auch bei meinem Kollegen, dies im rutschigen Schlamm auch zu tun. Da ich nicht zum Spaß hier bin, habe ich mich durchgesetzt und den Fahrer Gas geben lassen.
Man fährt solche Szenen mit extrem kurzer Verschlusszeit und schnellster Motordriveeinstellung an der Kamera. Mit etwas Glück hat man bei der Schaukelei im offenen Gelände 3 - 5 Trefferlagen in Bezug auf Schärfe und Bildauschnitt. Als wir auf Parallelkurs gingen, schien sich die Hyänen bei der Verfolgung einer Zebraherde einen Spaß aus uns zu machen und rannte, besser flog wie auf dem Foto erkennbar, mit über 45 Meilen.
Eine Hyäne kann diesen Speed übrigens über drei Kilometer weit halten und danach auf halben Speed noch 20 Meilen weiterrennen. Dies macht die Tiere wohl auch zu den erfolgreichsten Jäger der Savanne. In der Serengeti gibt es deshalb auch 2,5 - 3 mal so viele Hyänen als Löwen, die vergleichsweise nach etwa 300 Metern Jagd schlappmachen. Wenn man das gequieke der Hyänen bei der Jagd hört, kann man meinen, sie hätten einen Höllenspaß dabei. Beim Fressen sind sie aber weniger Spaßvoll, sie zerreißen die Beute bei lebendigem Leib und streiten untereinander bis aufs Blut um jeden Bissen.
@ by Uwe Skrzypczak


@ by Uwe Skrzypczak



@ Uwe Skrzypczak


Nach dem Regen sind die Gnuherden erst in verschiedene Richtungen gezogen, bis sie sich südlich und östlich vom Titti-Hill (südwestlich vom Ngorongoro-Massiv) jetzt locker verteilt wieder vereint haben. Das Bild kann nur einen Ausschnitt zeigen. Wir haben 15 - 20 Meilen Anfahrtsweg dorthin. Habe kein GPS und kann diese Herde nur auf 250 bis 300 Quadratkilometer Größe schätzen.
Es ist unvorstellbar, wenn man es nicht gesehen hat. Die Massengeburten haben eingesetzt, die Gebärgruppen haben manchmal 15 und mehr Tiere, die fast gleichzeitig ihre Kälber bekommen. Fotografisch ist es fast nicht zu erfassen, die Scheu der Tiere ist jetzt so hoch, dass die Gebärgruppen bereits auf 200 Metern Annäherung in der Herde verschwinden. Dazu kommen permanente Attacken von Hyänen, vor denen die Gnus fliehen. Habe noch nie so viele Gnus und Zebras vorher gesehen. Sie sind praktisch überall. Aber auch andere Tiere haben zur Zeit eine nie von mir vorher erlebte Scheu entwickelt. Die riesigen Elenantilopen, groß wie Ochsen und mit ihren rasanten Sprüngen verrückt anzusehen, fliehen bereits auf 500 Meter Annäherung. Selbst normale Gazellen flüchten auf 100 Meter. Diese Abläufe hier zu Beobachten und zu Fotografieren ist traumhaft. Man fühlt sich mitten im größten erhaltenen Naturwunder dieser Erde wie um Jahrtausende in der Zeit zurückversetzt.
Wir folgen den Herden ab Sonnenaufgang und suchen erster Linie nach Geparden. Das Problem ist nur, dass man bei dem Beuteüberangebot die Jagdrichtung vorher nicht abschätzen kann.

@ by Uwe Skrzypczak
Mit dem Auge kann man die Jagden verfolgen, die langen Teleobjektive bringen in der Mittagsgluthitze nur Geflimmer wie eine Fata Morgana auf den Kamerachip. Hitze und Wind steigen stetig an. Gute Lichtbedingungen zum Fotografieren hat man nur von 7.00 bis 8.30 und von 17.30 bis 19.00. In der Zwischenzeit gehen nur Aufnahmen deutlich unter 50 Meter Abstand. Allerdings kann man die permanenten Fluchten der Tiere gut für Mitziehaufnahmen verwenden, um den Speed der Tiere fotografisch zu zeigen. Die Gazelle unten ist mit dem Canon 800 mm bei 1/30 mitgezogen, sie in der Schärfe zu halten war nicht einfach.
Alle Fotos + Texte live geschrieben aus der Serengeti von Uwe Skrzypczak 2010. Was teilweise bei der sehr sehr langsamen Internetverbindung (wenn überhaupt vorhanden) mehr wie schwierig war. 
Aus dieser 5 wöchige Reise ist sein neuer Bildband "Serengeti" mit entstanden. 
Das neue SERENGETI Buch als Sonderedition (handsigniert) könnt Ihr auf seiner Website erwerben.

                       SERENGETI WEBSITE                                 SERENGETI FINE ART PRINTS - und POSTKARTEN

Kommentare:

  1. Vielen herzlichen Dank für dieses Tagebuch, ich habe bereits das neue Buch Serengeti von Uwe, aber nun nochmals seine Erlebnisse so nachlesen zu können ist mehr wie prima.
    Danke sagt Mike.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mike sehr gern geschehen ... persönlich hätte ich nicht gedacht das dieses Serengeti Buch von Uwe nochmals so grosses Interesse erzeugt.
      LG sendet Daniela

      Löschen
  2. Ich hatte es schon einmal gelesen als Uwe es veröffentlicht hatte, aber nun kann ich alles nochmals in Ruhe mit meinen beiden Kindern (6 + 10 Jahre) lesen, zumal sie Uwes Kinderbücher so lieben.
    Danke sagt Anne

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Anne das ist ja klasse das Deine Kidis es auch mitlesen. Wenn Sie irgendwelche Fragen haben, dann können sie mir gerne schreiben.
      Danke sagt Daniela

      Löschen
  3. Vielen herzlichen Dank für die nochmalige Veröffentlichung.

    AntwortenLöschen

Danke für Ihren Kommentar.