SERENGETI TAGEBUCH TEIL 8, im Auge des Orkans

Serengeti Tagebuch von Uwe Skrzypczak

Tag 14 - 16 in der Serengeti

Ich habe jedwedes Zeitgefühl verloren, die ersten zwei Wochen waren zuletzt wie in Trance. Der Regen ist zwischenzeitlich auch endlich angerückt. Regen, nein hier hat eine Welle die Plains überflutet. Vor zwei Tagen morgens kündigte sich das Paket in Form einer Wolkenbank in ca. 35 Kilometern Entfernung an, die Tiere waren bereits in Richtung der Regenwolken weitergezogen. Man konnte nur versuchen, aus einem schlafenden Löwen noch ein brauchbares Bild zu machen.

Afrika will man natürlich als normaler Tourist im klarsten Sonnenschein erleben (obwohl fotografisch ab 9.00 Uhr unbrauchbar), aber nur wo es geregnet hat, sind auch Tierherden. Nach den gelangweilten Löwen sind wir nachmittags dem Regen hinterher gefahren. Dazu muss man sagen, es hatte bereits geregnet und auf den Plains stand eine dünne Wasserschicht. Es war auf dem Black Cotton Soil, wie die Afrikaner sagen, »a little bit slippery«, was soviel heißt, dass man im Landy ziemlich durchgeschüttelt wird, wenn der Allradantrieb mal wieder nur auf einem Rad greift. Dann kam vom Ngorongoro-Krater die Wolkenbank, auf die ich gewartet habe. Wenn man dieses Lichtspiel nicht gesehen hat, kann man es sich nicht vorstellen. Die südliche Serengeti, dieses über 10000 Quadratkilometer große Landmeer ist wirklich wie ein Meer, es weht ein ständiger Wind und treibt die Wolken an. Und es kam eine Wahnsinnwolkenbank, pechschwarz wie die Nacht, da wollte ich drunter.  Ich wollte unter die Gewitterbank, allein schon wegen dem phantastischen Licht. Darunter war es kalt, gut zehn Grad und extrem feucht, der Regen hing am Ende der Wolkenbank. Also konnte man ruhig erst hinfahren. Unter den Wolken sah man auch in der Ferne die Tierherden ziehen und da wollte ich hin. Der Trick dabei war, nur soweit hineinzufahren, dass man vor dem eigentlichen Regen immer fliehen konnte.
@ by Uwe Skrzypczak
Das Licht darunter war auf jeden Fall wahnsinnig gut, man fühlte sich fast wie im Auge eines Orkans. Und der Ritt hat exakt geklappt, am Ende kamen wir vor dem Regen wieder an der Lodge an. Am Lake Lagarja waren wir genau unter der Spitze des Gewitterorkans. Am Seeufer zogen schon Windhosen aus Staub und Salz auf.

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Auf den Serengeti Plains steht jetzt knöcheltief das Regenwasser. Es versickern kaum im Boden, sondern wird von Wind und brennender Sonne zwei Tage nach dem Ende des Regens verdunstet. Deshalb gibt es hier auch eine ebenso kurze Wachstumsphase. Buschland kann sich hier nicht bilden, die Plains, so schätze ich, bestehen zu etwa 50 % aus Gras, das aber nicht als dichter Teppich wächst und zu 50 % aus Kräutern und anderen niederen Gewächsen. Die Ngorongoro Conservation Area ist das einzige Naturschutzgebiet Ostafrikas, in dem noch Offroad gefahren werden darf, anderes wäre eine Tierverfolgung nicht möglich. Die großen Tierherden ziehen über Nacht oft mehr als 30 Meilen weiter. Klingt wenig, aber auf diesem Boden kann man nach dem Regen keine 15 Meilen pro Stunde vorwärtskommen. Ohne sich mit dem Zugverhalten der Tierherden zu beschäftigen, kann man hier auch 10 Tage verweilen, ohne eine Herde gesehen zu haben. Die Tiere scheinen zu wissen, dass frisches Gras erst einen Tag nach dem Regen wächst, deshalb muss man ständig abschätzen, wo der Regen vor zwei Tagen gefallen ist. Das führt oft zu kontroversen Disskussionen mit unserem Fahrer, der sich zwar im Gebiet sehr gut auskennt, aber die biologischen Abläufe nicht genau kennt.

@ by Uwe Skrzypczak

Als wir am nächsten Morgen erst einmal nach Süden, wo der Regen gerade gefallen war fuhren, quatsch, rutschten in einer Tour durch den Nebel mit kaum dreißig Meter Sicht und ich endlich nach meinem Bauchgefühl bezüglich der Herdenstandorte nach Südosten, Richtung Olduvai/Ngorongoro-Krater weiter fuhr. Hier kam der Regen her, deshalb war ich mir sicher, dass dort die Tierherden standen. Am von mir so vereinfacht benannten 30 Meilen entfernten »Titti-Hill«, womit sich jeder vorstellen kann, wie der Berg aussieht, standen dann auch die großen Herden. Die aufsteigende Sonne fing gerade an, den Nebel aufzulösen,  als sich der Nebel verzog war es zu spät, Kälbergeburten zu fotografieren. Das war bereits gelaufen!

Am nächsten Morgen zogen die Gnus dann wieder in ewig langen Linien nach Südosten. Während der Züge in die Gebiete in denen frisches Gras sprießt, kommen nur wenig Kälbergeburten vor, vermutlich, weil sich die Tiere dann nicht untereinander abschirmen können.


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@ by Uwe Skrzypczak

Alle Fotos + Texte live geschrieben aus der Serengeti von Uwe Skrzypczak 2010. Was teilweise bei der sehr sehr langsamen Internetverbindung (wenn überhaupt vorhanden) mehr wie schwierig war. Aus dieser 5 wöchige Reise ist sein neuer Bildband "Serengeti" mit entstanden. 
Das neue SERENGETI Buch als Sonderedition (handsigniert) auf seiner Website erwerben.

                       SERENGETI WEBSITE                                 SERENGETI FINE ART PRINTS - und POSTKARTEN

Kommentare:

  1. Habe schon auf den nächsten Teil gewartet, da ich im Juni in die Serengeti fahre. Aber ich glaube solche Gewitter muss man als normaler Tourist nicht erleben. Danke an Uwe für die tollen Fotos.
    Herzliche Grüsse sendet Peter

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    1. Peter nein als "normaler" Tourist bist Du so auch nicht unterwegs ... aber Uwe arbeitet da und wenn dann solche Gegebenheit sind muss es natürlich fotografisch dokumentieren.
      LG Daniela

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  2. Liebe Daniela genau das ist es ... nun weiß ich das ich unbedingt in die Serengeti reisen muss. Habe bereits schon das neue Buch von Uwe und schon alle Serengeti Bücher hier bei Dir im Blog gelesen. Jetzt überzeuge ich meinem Besten davon, Afrika ich komme.
    Danke und liebe Grüsse sendet Manuela

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    1. Na dann drücke ich Dir die Daumen für die Reise in die Serengeti, wenn noch Fragen dann kannst Du Dich gerne an Uwe wenden.
      LG Daniela

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  3. Hach wie toll ... so kann ich dem Schnee entfliehen und mir meine Traumreise schon einmal ansehen und lesen. Habe mir bereits alle anderen Blogpost durchgelesen ... die Fotos sind traumhafft und der neuen Bildband von Uwe nun ein absolutes Muss.
    Danke sagt Martina

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    1. Ach das klingt ja toll ... schau Dir das Buch auf Uwe´s Website gerne an.
      LG Daniela

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  4. Beachtlich welch guten Instinkt die Tiere doch haben.

    Das Foto des Zebras im Nebel/Dunst ist wirklich schön.

    LG
    Christina

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    1. Ja Christina von den Tieren können wir noch viel lernen und genau in diesem einmaligen Ökosystem ist doch möglich, da ihr Verhalten da noch so ist wie vor vielen vielen Jahren.
      Danke sagt Daniela

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Danke für Ihren Kommentar.