SERENGETI TAGEBUCH, TEIL 6

Serengeti Tagebuch von Uwe Skrzypczak

Tag 14 - 15 in der Serengeti

Morgens vor sechs in den Serengeti-Nationalpark aufgebrochen. Alle Gebiete nordwestlich von unserem Ndutu Gebiet in der Ngorongoro Conservation Area wie leergefegt von den Wildtieren. Nach dreißig Kilometern ging es auf dem allseits beliebten »Black Cotton Soil«, einem bei Nässe der Schmierseife ähnlichem Boden. Ich hatte soweit Glück, dass es seit drei Tagen nicht geregnet hat und die Fahrbahn bereits wieder eine feste Kruste hatte. Nur Bachüberquerungen waren abenteuerlich oder mussten umfahren werden. Landschaftlich ist das von Wäldern durchsetzte Kusinigebiet traumhaft schön, ein paar Löwen hingen sogar auf den Kopjes ab. Wenn nur das Gebiet zur Zeit nicht so von Tsetse Fliegen verseucht wäre!
Im Morogebiet, dass durch seine Bachläufe und Sümpfe auch zu Anfang der Trockenzeit über genügend Wasser und frisches Gras verfügt, sammeln sich im Mai fast zwei Millionen große Huftiere um von hier zur Migration nach Kenia aufzubrechen. Jetzt gibt es hier ein paar einzelne Gruppen Zebras und Gnu. Nashörner sind während der Hitzewelle kaum zu finden, allenthalben einige am Hungertuch nagende Löwen schlafend unter einem Busch. Auch in der Zentralserengeti, im Seronera Valley findet man kaum Wild. Hier und da ein paar Elefanten und die obligatorischen, auf Bäumen schlafenden Leoparden.
In Seronera habe ich mich im bescheidenen, aus Baracken bestehenden Anwesen der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft mit dem Urgestein der Serengeti, Dr. Markus Borner getroffen. Es war das informativste Gespräch, das ich je über die Serengeti führen konnte. Dr. Borner leitet dort seit bald 30 Jahren die von Bernhard Grzimek begonnenen Natur- und Tierschutzaktivitäten der ZGF. in Afrika. Bei der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft kann man mit Sicherheit davon Ausgehen, dass Spendengelder direkt und mit nur einem minimalen Verwaltungsaufwand dem Umwelt- und Tierschutz zufließen. Spendengelder aufzehrende Verwaltungswasserköpfe gibt es hier nicht. Markus hat sich bereit erklärt, die ersten Kapitel meines neuen Buchs über die Serengeti durchzusehen und mir die neusten Forschungsergebnisse zur Verfügung zu stellen, was für mich mehr als hilfreich ist. Er fand übrigens mein neues Kinderbuch »Simba, Duma, Tembo, so leben Tierfamilien in Afrika« für sehr gelungen. Kann mir deshalb nicht verkneifen, sein Lob als Höchstinstanzliche Kaufempfehlung hiermit weiter zu geben.

Nachmittags gings dann nach Südwesten quer durch die Serengeti zurück. Mir taten unterwegs die Touristen leid, die von ihren über die Tierwanderungen in der Serengeti wohl unwissenden Reisebüros um diese Jahreszeit für viel Geld in die bis zur Regenzeit sehr tierarme Zentralserengeti verfrachtet wurden.

Die Massai Kopjes in der Zentralserengeti bei Gewitter. Durch die Wolkenlücken wirf die Sonne ein sehr 
grelles Licht auf die Erde (@ by Uwe Skrzypczak)
















Die ersten großen Tierherden habe ich erst zwei Stunden später, 15 Kilometer südlich vom Naabi Hills Gate gefunden. Dort standen, etwa 8 Kilometer von meinem Aufenthaltsort rund 200000 Gnus. Hier hatte es bereits geregnet. Sobald Regen einsetzt wächst nur in der südlichen Serengeti einen Tag später das sehr nährstoffreiche Gras, dass die Gnukühe für die Milchproduktion zur Ernährung ihrer Kälber benötigen. Hört der Regen auf, wächst es nur noch zwei Tage weiter, bis in der Hitze alles verdorrt. Des sind die Gnuherden in der Serengeti zur ständigen Wanderschaft, dem Regen hinterher, gezwungen. Allerdings ist das Gebiet so groß, dass 1,5 Mio Tiere zeitweise wie vom Erdboden verschluckt sind. Nach fünfzehn Stunden Tour stand ich dann, halb Sonnenstich benebelt, endlich unter meiner, vor allem den Sonnenbrand belebenden Salzwasserdusche.

Ein etwa 4 Monate altes Löwenjunge in den Felsen der Massai Kopjes. Es ahmt bereits seine Mutter bei der Suche nach jagdbarem Wild nach. Für die Löwe herrscht zur Zeit » Saure Gurkenzeit« weil es so wenig Wild in der Zentralserengeti gibt. Ab April bis Juni leben sie im Überfluß, danach kommt mit der großen nTrockenzeit jedes Jahr die größte Hungerperiode für Raubtiere in der Serengeti. Viele wandern
dann den Huftierherden hinterher, um nicht zu verhungern (@ by Uwe Skrzypczak).

Endlich endlich Regen ...
es hat die ganze Nacht durchgeschüttet, endlich eine kühle Nacht. Das Aufstehen um fünf war eine Katastrophe, Dachluke vom Fahrzeug aufgelassen und den restlichen Regen am Morgen als Dusche mitgenommen, um klar zu werden. 

Heute müssten endlich Kälber geboren werden, um es zu fotografieren bin ich ja eigentlich hier. Hört sich nicht sehr spannend an, ist es aber, denn es passiert nicht in einem deutschen Kuhstall, sondern mitten in den Herden. Die Gnus bilden dabei Gebärgruppen und schützen sich gegenseitig vor den Blicken von Raubtieren aller Art. Auch vor den großen aus Blech mit vier Rädern und komischen, daraus lukenden Rohren. Die Fluchtdistanz der Tiere liegt jetzt doppelt bis dreimal so hoch wie gewöhnlich. Gehen sie näher als 80 Meter mit dem Landy heran, bricht dass Tier die Geburt ab. Ist es zu spät dazu, flieht es sofort nach der Geburt und lässt das Kälbchen in Stich. Erst Minuten nach der Geburt, wenn Mutter und Kalb den Geruchskontakt eindeutig aufgenommen haben, ist für erfahrene Fotografen und Tierbeobachter eine Annäherung auf rund 40 Meter möglich, sonst ist man für den Tod des Kälbchens verantwortlich. Das Touristenfahrer so etwas tun, um Trinkgeld von ihren sensationslustigen Insassen zu bekommen, braucht nicht weiter erwähnt zu werden
Wir setzen Objektive von bis zu 1200 mm Brennweite ein, um jedwede Gefährdung der Kälber auszuschließen. 

Die Geburt startet damit, dass beim Gnu zuerst ein etwa Tennisball großes Stück der Plazenta unter dem Schwanz hervorlugt. Also muss man die oft bei der Geburt weiterziehenden Herden solange mit dem Fernglas beobachten, bis man eine Gnukuh mit heraushängenden Teilen der Plazenta findet und diese Verfolgen. Im nächsten Schritt luken zwei Hufe zwischen dem Schwanz hervor. Jetzt sucht das Tier Anschluss an ein anders, das bereits ein Kalb hat. So geht es reihum nd es bilden sich die Geburtsgruppen von 3 und manchmal auch viel mehr Tieren. 
Die Geburt dauert nach dem Herausluken der Hufe noch 30 bis 120 Minuten. Während dieser Zeit muss man mindestens 100 Meter Abstand halten und darf das Tier dabei trotzdem nicht aus den Augen verlieren.





Alle Fotos + Texte live geschrieben aus der Serengeti von Uwe Skrzypczak 2010. Was teilweise bei der sehr sehr langsamen Internetverbindung (wenn überhaupt vorhanden) mehr wie schwierig war. Aus dieser 5 wöchige Reise ist sein neues Buch "Serengeti" mit entstanden. 
Das neue SERENGETI Buch gibt es im Moment als Sonderedition (handsigniert) auf seiner Website.

               SERENGETI WEBSITE                          SERENGETI FINE ART PRINTS - und POSTKARTEN

Kommentare:

  1. Vielen herzlichen Dank Daniela, ich konnte es das letzte Mal nicht lesen. Nun aber kann ich alles in Ruhe nachholen, da ich nächstes Jahr auch in die Serengeti reisen möchte. Zumal ich alle Bücher von Ihrem Mann bereits im Bücherregal stehen habe. Danke sagt Ihnen Klaus.

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  2. Alles in Ruhe gelesen und warte mit Vorfreude auf die weiteren Berichte aus der Serengeti.
    Die Geburten der Gnus mit dem gesamten Hintergrundwissen ist fantastisch.
    Danke sagt Katrin.

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  3. Ich bin begeistert ... vielen herzlichen Dank.
    Herzliche Grüsse sendet Ihnen Albert.

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  4. Vielen lieben Dank Klaus + Katrin +Albert für Eure netten Kommentare ... ich freue mich wahnsinnig das soviele nochmals mitlesen.

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Danke für Ihren Kommentar.