SERENGETI TAGEBUCH, TEIL 5

Serengeti Tagebuch von Uwe Skrzypczak

Tag 11 - 13 in der Serengeti

Heute, am Dienstag den 02.02.2010 sind die ersten Herden aus Maswa zurück gekehrt. Dies lässt darauf hoffen, dass wir in den nächsten Tagen Regen bekommen und endlich die Massengeburten der Gnus einsetzen. Der Staub in der Luft ist noch schlimmer. Heute machen wir über Mittag fast vier Stunden Pause, weil man erst wenn es feuchter wird wieder fotografieren kann. Morgen mache ich einen Riesenritt durch den Serengeti Nationalpark weil ich dort mit Dr. Borner von der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft verabredet bin.
Ich habe mir in den Kopf gesetzt, über Kusini durch die Morosümpfe zu fahren. Das geht nur mit einem kleinen und ganz leichten Geländewagen in dem kein Platz für zwei Fotografen mit Ausrüstung ist. Will unterwegs auch mal nach Leoparden schauen. Wenn es sich nach meinem Erkundungsritt ergibt, dass es dort trocken genug für einen Stationwagen ist, fahren wir die Route danach gemeinsam. Wenn keine Fortsetzung des Tagesbuchs folgt, hat auch der leichte Geländewagen dort nicht funktioniert.
Hier sind zwei Dinge äußerst knapp, Energie für die diversen Akkus von Kameras und Computern und natürlich Zeit. Heute Nachmittag habe ich meinen Körper den Pferdebremsen am Lake Masek, einige Kilometer östlich der Lodge zur Verfügung gestellt. Man muss die ständige Stecherei und das Jucken ignorieren, sonst kann man es kaum aushalten. Zum Glück verziehen sich die normalen Touris aus Angst vor Malaria oder Schlafkrank immer sehr schnell aus diesen Gebieten.
Am Nachmittag hat es am Lake Masek so 15 - 20 Tropfen geregnet, was hoffen lässt. Einige Gnus zogen bereits zurück auf die Plains. Am frühen Abend fanden wir ein etwa zwei Tage altes, am Seeufer kauerndes Gnukalb. Umring von einigen Touristenfahrzeugen hockte es dort quäkend und zitternd. Wahrscheinlich sind die Fahrzeuge in die Herde hineingefahren und haben es dabei von der Mutter getrennt. Es hat keine Chance zum Überleben. Andere Gnukühe würden es sofort verscheuchen. Anders als Elefanten ziehen sie nur den eigenen Nachwuchs auf. Als die Fahrzeuge weg waren, haben wir aus rund 100 Meter Entfernung einige Fotos vom Kälbchen gemacht. Wissend, dass es schnell gehen muss, sonst versucht das Kälbchen, von unserem Auto als Ersatzmutter adoptiert zu werden. Weil mein Kollege etwas technische Probleme hatte, und wir darum zwei Minuten stehen blieben, kam es dann auch genauso. Es stürmte voll Speed auf den Wagen zu, und quäkte ihn an. Als dieser Adoptionsversuch scheiterte, kam es am ganzen Körper zitternd an mein Fenster und bettelte mich quäkend und mit ganz großen Augen um Milch an. Ich konnte nichts tun und nur hoffen, dass es in der Nacht einen schnellen Tod durch ein Raubkatze findet und nicht bei lebendigem Leib von Hyänen zerfetzt wird. Ich habe in all den Jahren so viele Tiere und Tierbabys in der Savanne sterben sehen, aber dieses Erlebnis hat mich doch sehr stark mitgenommen. Am meisten wohl, weil es wieder einmal nur durch die Sensationslust der Menschen verursacht wurde.


Das Gnukälchen am Seeufer. Rechts das wohl
letzte Foto seines kurzen Lebens. Am liebsten
hätte ich es mitgenommen und aufgepäppelt.





@ by Uwe Skrzypczak
Bei Sonnenuntergang fand ich dann noch diese phantastische Löwin auf einem Baum am Seeufer.
Im Serengeti Ökosystem flüchten die Löwen oft auf leicht zu erklimmende Bäume, um sich vor den vielen Zecken und Bremsen im Gras zu schützen. Dazu nutzen sie die Hochsitze, um Beute aufzuspüren. Ich wundere mich immer wieder, dass Löwen nicht aus den paar Metern Entfernung aufs Geländewagendach springen. Das zeigt wohl, dass Menschen normalerweise nicht in das Beuteschema dieser Raubkatzen passen. In der Trockenzeit, wenn die Löwen hungern, muss man sich als Fotograf solche Aktionen, vor allem in abgelegenen, wenig von Touristen frequentierten Gebieten, sehr genau überlegen und sollte aus dem direkten Schlagbereich heraus bleiben. Diese Bild ist mit 180 mm aus acht Metern, leicht aufgeblitzt entstanden. Solange die Löwin die Muskeln nicht anspannt oder den Fotografen nicht direkt anfaucht, besteht keine Gefahr. Am Rangerposten gabs dann wieder das übliche Theater wegen dem zu späten Verlassen des Gebiets. Werden jetzt mal besser zwei Tage pünklich zurück kommen.

Alle Fotos + Texte live geschrieben aus der Serengeti von Uwe Skrzypczak 2010. Was teilweise bei der sehr sehr langsamen Internetverbindung (wenn überhaupt vorhanden) mehr wie schwierig war. Aus dieser 5 wöchige Reise ist sein neues Buch "Serengeti" mit entstanden. 
Das neue SERENGETI Buch gibt es im Moment als Sonderedition (handsigniert) auf seiner Website.

               SERENGETI WEBSITE                          SERENGETI FINE ART PRINTS - und POSTKARTEN

Kommentare:

  1. Vielen herzlichen Dank für dieses Tagebuch, so kann ich mich auf meine Reise nächstes Jahr in die Serengeti schon einmal einlesen. Die Fotos sind einmalig schön und das Serengeti Buch liegt schon als Wunsch beim Weihnachtsmann.
    Danke sagt Andrea

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  2. Vielen herzlichen Dank, ich habe mir gestern alle 5 Tagebücher durchgelesen und freue mich auf die weiteren Tage. Da ich damals nicht live mitlesen konnte, mache ich es jetzt in Ruhe und geniesse die Texte und Fotos.
    Was für ein Erlebnis muss es sein, dies zu erleben.
    Danke sagt Richard.

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    1. Richard dann wünsche ich Dir viel Freude beim weiter lesen und schauen bei den einmaligen Fotos von Uwe.

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Danke für Ihren Kommentar.